In über 15 Jahren als Führungskraft und Berater habe ich gelernt: Networking lebt nicht von Visitenkarten oder LinkedIn-Profilen, sondern von Gesprächen. Und am Anfang steht fast immer der Smalltalk. Wer hier nur Floskeln austauscht, bleibt austauschbar. Wer jedoch die richtige Balance zwischen Leichtigkeit und Substanz findet, baut echte Beziehungen auf. Im Folgenden teile ich acht praxisnahe Ansätze, wie man am besten Smalltalk führt beim Networking – basierend auf Erfahrungen aus Meetings, Konferenzen und zahllosen Geschäftsessen.
Mit einer offenen Haltung starten
Smalltalk funktioniert dann am besten, wenn man wirklich Interesse am Gegenüber zeigt. Ich habe es oft erlebt: Wer in einen Raum kommt und erst einmal die Atmosphäre aufnimmt, freundliche Fragen stellt und auf nonverbale Signale achtet, erzeugt Sympathie.
Viele unterschätzen die Wirkung von Körpersprache. Eine offene, leichte Körperhaltung zeigt Gesprächsbereitschaft. Manchmal reicht schon ein ehrliches Lächeln, um den Einstieg zu schaffen. Was hingegen sofort blockiert: verschränkte Arme, dauernd aufs Handy schauen oder zu schnell vom eigenen Business erzählen.
Praktisch gesehen bedeutet das: Fragen Sie nach Eindrücken der Veranstaltung, der Location oder aktuellen Themen, die alle betreffen. Der Schlüssel ist, ein gemeinsames Spielfeld zu öffnen, bevor man zu Geschäftlichem übergeht. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich bei einem Branchentreffen direkt ins Detailgespräch über KPIs eingestiegen bin – der Kontakt war nach wenigen Minuten verloren. Heute starte ich bewusst menschlicher: „Was hat Sie heute zu diesem Event geführt?“ öffnet oft mehr Türen als jede Visitenkarte.
Gemeinsamkeiten finden und betonen
Das Erfolgsgeheimnis beim Smalltalk im Networking liegt in der Suche nach Gemeinsamkeiten. Die meisten Gespräche werden greifbarer und persönlicher, wenn man etwas findet, das beide verbindet. Das können berufliche Herausforderungen sein, aber oft sind es banale Dinge wie Reiseerfahrungen oder persönliche Interessen.
In meiner Laufbahn habe ich festgestellt: Gemeinsame Nenner sind wie Brücken. Sie geben Sicherheit im Gespräch und schaffen Vertrauen. Ich erinnere mich an ein Abendessen in Berlin – alle redeten über Marktstrategien. Erst als jemand beiläufig erwähnte, dass er gern Marathon läuft, kam Schwung in die Runde. Plötzlich teilten fünf Leute Lauferfahrungen, und die Atmosphäre wurde direkt offener.
Unternehmen investieren Millionen in Markenführung, doch beim persönlichen Networking sind es oft die kleinen Gemeinsamkeiten, die zählen. Mein Rat: Hören Sie aktiv zu, greifen Sie Details auf („Sie haben Spanien erwähnt – reisen Sie oft dorthin?“) und bauen Sie darauf auf. So bleibt Smalltalk nicht oberflächlich, sondern wird zum Türöffner für echte Gespräche.
Gute Fragen statt leere Floskeln stellen
In Business-Schulen wird häufig gesagt, man solle einen „Elevator Pitch“ parat haben. Meine Erfahrung: Smalltalk lebt weniger von fertigen Monologen, sondern von klugen Fragen.
Leere Sätze wie „Na, auch hier?“ wirken abgegriffen. Stattdessen helfen offene Fragen: „Was hat Sie zu dieser Konferenz gebracht?“ oder „An welchem Thema arbeiten Sie gerade mit besonderem Fokus?“ Solche Einstiege geben dem Gegenüber Raum, etwas Persönliches preiszugeben – und Sie zeigen echtes Interesse.
Ich habe gesehen, wie einige junge Kollegen scheiterten, weil sie direkt in Verkaufsgespräche einstiegen. Das kam forciert rüber. Erst als sie Fragen stellten, die nicht sofort auf Abschlüsse abzielten, sondern auf Erfahrungen und Herausforderungen, wurden sie ernst genommen. Die Wahrheit ist: Menschen erinnern sich nicht an das, was Sie verkauft haben, sondern daran, wie Sie sie sich im Gespräch fühlen ließen.
Gerade im deutschen Business-Umfeld ist Authentizität entscheidend. Deshalb: Investieren Sie in Fragen, nicht in Worthülsen.
Zuhören als unterschätzte Fähigkeit
Oft wird übersehen, dass Smalltalk nicht aus Reden, sondern aus Zuhören besteht. Ich habe es unzählige Male erlebt: Jemand redet ununterbrochen über eigene Projekte, während die Gesprächspartner innerlich abschalten. Das Gegenteil funktioniert viel besser.
Aktives Zuhören heißt: Blickkontakt halten, das Gesagte zusammenfassen und kleine Anknüpfungspunkte finden („Das klingt nach einer spannenden Herausforderung – wie gehen Sie damit um?“). In einem Meeting 2019 mit über 40 Führungskräften fiel mir ein Kollege auf, der fast die ganze Zeit still war. Doch jedes Mal, wenn er eine Frage stellte und die Antworten ernsthaft reflektierte, bildete sich direkt eine Gesprächsgruppe um ihn. Zuhören schafft Autorität.
Networking ist kein Sprint. Wer zuhört, bekommt nicht nur mehr Informationen, sondern signalisiert auch Respekt. Am besten funktioniert Smalltalk, wenn beide Seiten mehr mitnehmen, als sie hereingebracht haben.
Storytelling nutzen statt Aufzählungen
Schon oft habe ich festgestellt: Menschen erinnern sich an Geschichten, nicht an Bullet Points. Meine Faustregel ist: Smalltalk gewinnt an Qualität, wenn Sie kleine Anekdoten einbauen, statt nüchtern aufzulisten, was Sie tun.
Ein Beispiel: Bei einem Branchentreffen erzählte ich einmal, wie ein Meeting in Dubai fast geplatzt wäre, weil ein Taxi uns falsch abgesetzt hatte. Klingt banal, löste aber Lachen aus – und plötzlich war ich nicht nur „der Berater“, sondern jemand, mit dem man auf einer menschlichen Ebene connecten konnte.
Fakten langweilen. Geschichten emotionalisieren. Deshalb empfehle ich: Bauen Sie Anekdoten ein, die Ihre Persönlichkeit zeigen, ohne dass es zu privat wird. Zuhörer nehmen Sie so als echten Menschen wahr – und genau darum geht es, wenn man Smalltalk beim Networking am besten führen möchte.
Fachliche Tiefe dosieren
Ein häufiger Fehler: Manchmal kippt Smalltalk zu schnell ins Fachgespräch. Klar, Business ist der Rahmen – aber wer zu technisch oder zu sehr ins Detail geht, riskiert, das Gegenüber früh zu verlieren.
Aus meiner Erfahrung gilt: 70% Leichtigkeit, 30% Business-Inhalte. In einem Gespräch auf einer Messe habe ich einmal einen CEO mit komplizierten Zahlen über Marktpotenziale überfordert – er nickte höflich, aber die Energie war weg. Dieselbe Person kam bei einem Abendessen ins Gespräch über Reisen und Wirtschaftstrends. Wir bauten einen echten Draht auf, und das Geschäftsgespräch ergab sich Wochen später ganz von allein.
Mein Rat: Smalltalk dient als Eisbrecher. Steigen Sie nicht zu früh ins Detail ein. Bauen Sie Interesse auf, und wenn sich die Gelegenheit ergibt, können Fachthemen als natürlicher nächster Schritt folgen.
Authentisch bleiben statt künstlich wirken
Nichts zerstört Networking-Smalltalk schneller als das Gefühl, jemand spiele eine Rolle. Die meisten Menschen merken intuitiv, wenn jemand zu sehr eine Maske aufsetzt.
In meinen frühen Jahren habe ich oft versucht, besonders „professionell“ zu wirken – mit glattgebügelten Sätzen und übertrieben positivem Auftreten. Das Ergebnis: distanzierte, sterile Gespräche. Heute trete ich bewusst menschlicher auf. Ein ehrliches „Das kenne ich auch, das war bei uns damals ein Fehlschlag“ wirkt verbindender als jedes Hochglanz-Selbstmarketing.
Die Realität ist: Authentizität verkauft sich besser als Perfektion. Wer das im Networking versteht, führt Smalltalk am besten – indem er die Balance zwischen Offenheit und Professionalität wahrt.
Follow-up nicht vergessen
Smalltalk allein bringt wenig, wenn er nicht in eine Beziehung überführt wird. Ich habe erlebt, wie wertvolle Kontakte versandeten, weil nach dem ersten Gespräch nichts mehr kam. Erfolgreiche Netzwerker schicken eine kurze Nachricht, teilen einen relevanten Artikel oder knüpfen einen Punkt aus dem Gespräch auf.
Das muss nicht kompliziert sein. Ein kurzes „Es war spannend, Ihre Sicht zu hören – hier ein Link zu einem Artikel, den wir diskutiert haben“ wirkt Wunder. (Siehe auch Impulse.de über souveränen Smalltalk.)
Networking ist ein Marathon. Der eigentliche Wert zeigt sich erst nach Tagen, Wochen oder Monaten. Deshalb: Smalltalk am besten führen heißt auch, ihn in echte Kontakte zu übersetzen.
Fazit
Smalltalk wirkt für viele wie eine Nebensache. Doch in meiner Erfahrung ist er das Fundament für erfolgreiches Networking. Richtig eingesetzt, verbindet er Menschen jenseits von Titeln und Zahlen und öffnet Türen, die keine E-Mail des Marketings je erreichen würde. Wer Smalltalk am besten führt, nutzt ihn nicht als Pflichtübung, sondern als strategisches Werkzeug – menschlich, authentisch und nachhaltig.
FAQs
Wie wichtig ist Smalltalk im Networking?
Smalltalk ist die Eintrittskarte ins eigentliche Gespräch. Ohne ihn bleibt der Austausch oberflächlich und formell.
Was sind gute Einstiegsfragen?
Fragen, die auf die Situation oder die Interessen der Person eingehen, wie „Was hat Sie zu diesem Event geführt?“ wirken am besten.
Wie vermeide ich peinliche Pausen?
Durch aktives Zuhören, Rückfragen und das Aufgreifen kleiner Details im Gespräch lösen sich Pausen meist von selbst.
Sollte man direkt über Business-Themen reden?
Nein. Smalltalk dient als Eisbrecher. Zu frühes Fachsimpeln wirkt unnatürlich und abschreckend.
Wie finde ich Gemeinsamkeiten?
Achten Sie auf Hinweise im Gespräch – von Hobbys bis Reiseerfahrungen. Diese Brücken erleichtern tiefere Gespräche.
Wie lang sollte Smalltalk dauern?
Meist reichen 5–10 Minuten, bevor ein Gespräch in fachlichere Bahnen übergeht.
Welche Fehler passieren am häufigsten?
Zu viel reden, direkt verkaufen wollen oder künstlich wirken.
Wie wichtig ist Humor?
Humor lockert Smalltalk enorm auf, solange er authentisch und nicht unpassend wirkt.
Kann man Smalltalk üben?
Ja. Ähnlich wie Präsentationen wird man durch üben besser, z. B. bei kleineren Events.
Wie bleibe ich authentisch?
Verzichten Sie auf Fassaden. Ehrliche Meinungen und kleine Anekdoten wirken verbindender als Perfektion.
Wie wichtig ist Zuhören?
Sehr wichtig. Wer zuhört, erkennt Chancen und gewinnt Sympathie.
Welche Rolle spielt Körpersprache?
Eine offene Haltung signalisiert Gesprächsbereitschaft und macht Kontakte leichter.
Sollte man sich vorbereiten?
Eine leichte Vorbereitung mit ein paar aktuellen Themen oder Fragen ist hilfreich, aber kein Muss.
Wie leite ich vom Smalltalk ins Business über?
Greifen Sie Themen auf und vertiefen, sobald das Gespräch organischer wirkt.
Was mache ich bei schwierigen Gesprächspartnern?
Konzentrieren Sie sich auf neutrale Themen oder wechseln Sie höflich das Gespräch.
Wie wichtig ist das Follow-up?
Ohne Follow-up bleibt Smalltalk oft folgenlos. Kleine Gesten nach dem ersten Gespräch sichern nachhaltige Kontakte.
